Wie funktioniert eine mechanische Uhr?
Eine mechanische Uhr kommt ohne Batterie und ohne Elektronik aus. Ihre Energie stammt aus einer gespannten Feder, ihr Takt aus einem schwingenden Rad. Dazwischen arbeiten über hundert winzige Bauteile zusammen. Vier Baugruppen sind dabei entscheidend.
1. Die Energiequelle: Zugfeder und Federhaus
Beim Aufziehen – über die Krone oder, bei Automatikuhren, über einen Rotor – wird eine lange, spiralförmige Stahlfeder gespannt: die Zugfeder. Sie liegt in einer kleinen Trommel, dem Federhaus. Während sich die Feder langsam entspannt, gibt sie ihre Energie gleichmäßig ab. Wie lange eine voll aufgezogene Uhr läuft, beschreibt die Gangreserve; bei vielen Werken liegt sie bei rund 40 Stunden, bei manchen deutlich darüber.
2. Die Kraftübertragung: das Räderwerk
Das Federhaus treibt eine Folge von Zahnrädern an, das Räderwerk. Es übersetzt die langsame Drehung der Feder so, dass sich Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger mit der richtigen Geschwindigkeit bewegen.
3. Die Bremse im Takt: die Hemmung
Ohne Kontrolle würde die Feder in wenigen Sekunden ablaufen. Die Hemmung – meist eine Ankerhemmung aus Ankerrad und Anker – gibt das Räderwerk nur in winzigen, gleichmäßigen Schritten frei. Genau diese Schritte hören Sie als Ticken.
4. Das Herz: Unruh und Spirale
Den Takt bestimmt die Unruh, ein kleines Schwungrad, das von einer hauchdünnen Spiralfeder hin- und hergeschwungen wird. Jede Schwingung dauert gleich lang. Viele moderne Werke arbeiten mit 21.600 oder 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, das entspricht 3 bzw. 4 Hertz.
Genauigkeit und Pflege
Weil Temperatur, Lage und Spannung der Feder den Gang beeinflussen, weicht eine mechanische Uhr um einige Sekunden pro Tag ab. Das ist normal. Damit die Reibung gering bleibt, laufen die Achsen in Lagersteinen aus synthetischem Rubin und werden mit speziellen Ölen geschmiert. Da diese Öle mit den Jahren altern, braucht eine mechanische Uhr regelmäßig einen Service.
